REZENSION

"Blaues Wunder"

"Eine Anthologie ist nach Meyers Lexikon die Blütenlese, eine Sammlung thematisch ausgewählter Gedichte, Sprüche und kurzer Prosastücke. Die Blüten dieser Anthologie sind allesamt blau. (...)

Meine drei Favoriten dieser Blütensammlung allerdings sind "Blaues Wunder" von Regina Schleheck, "Ein Garten voller Fische" von Johanne Jakobian und "Blauer Himmel" von Irmgard Manno-Kortz. In allen drei Geschichten erhält die Farbe blau eher Kulissencharakter. Die Geschichten erzählen von Menschen und Schicksalen, von Handlungsentscheidungen. Sie erzählen von Vorwärtsbewegung ins Leben, wo andere sich enttäuscht zurückziehen würden (R. Schleheck), von Rückzug aus dem Leben in die eigene, überschaubare und sich trotz allem wandelnde eigene Welt (Jakobian) oder sie erzählen von der ersten Begegnung mit Schwester Tod in Gestalt des eigenen kindlichen Selbst, welche die Angst vor der endgültigen Begegnung ad absurdum führt (Manno-Kortz). Diese drei Meisterinnen des geschriebenen Wortes haben etwas zu sagen und sie sagen es auf eine Weise, die gefangen nimmt, in ihre Geschichten reinzieht und fesselt.
Diese Blüten der blauen Blütenlese, die weder belehren, noch der Leserin das Denken abnehmen und für Überraschung sorgen, sprechen sowohl Herz, Verstand und Poesieempfinden an, fordern heraus, umschmeicheln. Unbedingt lesenswert!"

Sylvia Tornau, Rezension in AMELIA, dem Newsletter der Autorinnenvereinigung e.V. im Dezember 2008

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